Oberhavels Straßen sind noch sicherer geworden
Zahl der Todesopfer auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen ist deutlich gesunken / Aktionstage des Landkreises zur Verkehrserziehung und gemeinsame Geschwindigkeitsüberwachung mit der Polizei wirken
In Oberhavel ist entgegen dem Bundestrend und über den Landestrend hinaus die Zahl schwerster Unfallfolgen gesunken. Gerade die Schwerpunkte des Landkreises, Geschwindigkeitsüberwachung, Radverkehr und Verkehrserziehung für Kinder sind erfolgreich. „Mit diesen Projekten schützen wir immer mehr Menschen im Straßenverkehr in unserem Landkreis. Das zeigen die Zahlen eindeutig“, sagt die für Mobilität zuständige Dezernentin Katja Hermann. „Prävention ist ein wichtiger Baustein und die verstärkte und mittlerweile sowohl mit der Polizei als auch der Stadt Hennigsdorf koordinierte Geschwindigkeitsüberwachung wirkt.“
Unter den bundeseinheitlich definierten Hauptunfallursachen steht die Geschwindigkeitsüberschreitung in Oberhavel dank des gemeinsamen Einsatzes von Polizei und Landkreis nicht länger auf dem Spitzenplatz, sondern ist hinter Vorfahrt- und Abstandsunfällen auf den dritten Rang gefallen. „Überhöhte und unangepasste Geschwindigkeit war nichtsdestotrotz auch auf unseren Straßen im vergangenen Jahr Ursache für zwei der vier Todesopfer und mehr als jede fünfte schwere Verletzung. Der Landkreis Oberhavel setzt deshalb gemeinsam mit der Polizei die flächendeckende Verkehrsüberwachung intensiv fort“, sagt Landrat Alexander Tönnies.
Die Zahl der Todesopfer bei Verkehrsunfällen auf den Straßen Oberhavels – ausgenommen die Autobahnen, die nicht in Zuständigkeit des Landkreises fallen – ist im vergangenen Jahr auf vier und damit deutlich gefallen. 2024 waren neun Menschen im Straßenverkehr im Landkreis getötet worden, im Durchschnitt lag die Zahl in den vergangenen Jahren bei acht.
Auf den Straßen Oberhavels, auch hier abseits der Autobahnen, ereigneten sich im vergangenen Jahr insgesamt 5.334 Verkehrsunfälle – ein leichter Anstieg um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, aber mehr als sechs Prozent weniger als 2020. Bei 669 dieser Verkehrsunfälle gab es Personenschäden (+6,2 Prozent; -2,6 Prozent). Insgesamt sind 2025 803 Personen verletzt (+8,5 Prozent; -4,4 Prozent) worden, 98 Menschen schwer. Damit wurden 2025, wie auch bereits 2024, weniger als 100 Personen auf Oberhavels Straßen schwer verletzt.
Besonders die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrerinnen und Radfahrern (-12,6 Prozent) und Kindern (-1,2 Prozent) war gegenüber 2024 im vergangenen Jahr rückläufig.
Das Risiko, auf Kreis-, Landes- und Bundesstraßen in Oberhavel als Opfer eines Verkehrsunfalls verletzt zu werden, liegt gemessen an der Einwohnerzahl um rund 15 Prozent sowohl unter dem Landes- als auch dem Bundesdurchschnitt. So kamen im Landkreis auf 100.000 Einwohner lediglich 369 Verletzte, während es in Brandenburg 430 und deutschlandweit 438 waren. Noch deutlicher treten die Unterschiede bei den schwersten Unfallfolgen zutage. So liegt der rechnerische Wert getöteter Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer je Million Einwohner im Bund bei 34, im Land bei 38 und im Landkreis Oberhavel bei nur 18 – und auch der Rückgang um 23,8 Prozent im Bereich der Polizeidirektion Nord, die auch für Ostprignitz-Ruppin und die Prignitz zuständig ist, ist allein auf sinkende Zahlen im Landkreis Oberhavel zurückzuführen.
Junge Fahrer lösten mehr Unfälle aus
Zugenommen hat aber die Zahl der Unfälle mit Beteiligung junger Fahrerinnen und Fahrer bis 24 Jahre. Sie stieg im vergangenen Jahr deutlich um 15,8 Prozent an – wesentlich stärker als im Landestrend (+5,4 Prozent). „Das Engagement der Kreisverwaltung in der Verkehrserziehung mit zahlreichen zielgruppenspezifischen Aktionstagen bleibt deshalb essenziell. Wir sehen die auf Bundesebene geplante Reform der Fahrausbildung auch in diesem Zusammenhang kritisch“, sagt Katja Hermann.
Hintergrund
Seit Beginn der Erfassung im Jahr 1953 wurden die geringsten Unfall- und Opferzahlen in den be-sonders verkehrsschwachen Jahren 2020 und 2021 registriert. Im Landkreis Oberhavel markierte das Jahr 2024 für die Verkehrssicherheit eine neue Bestmarke. Bis kurz vor Jahresende 2025 deu-tete sich an, dass die Werte nochmals unterboten werden könnten. Bis einschließlich Oktober 2025 lagen sie sowohl bei Verkehrsunfällen insgesamt (-1,3 Prozent), als auch bei geschwindigkeitsbedingten Unfällen (-6,3 Prozent), bei Verkehrsunfällen mit Kindern (-6,7 Prozent) und bei Unfällen mit Senioren (-4,8 Prozent) recht deutlich unter den Vergleichswerten des Vorjahreszeitraumes. Auch aufgrund witterungsbedingt schwieriger Straßenverhältnisse ließ sich dieser Stand nicht halten. Die Zahl schwerster Unfallfolgen ist dennoch gesunken und mehr Sicherheit für schwächere Verkehrs-teilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer erreicht worden.
Die Aktionstage Verkehrssicherheit, die der Landkreis im Rahmen des gemeinsamen Verkehrssicherheitskonzepts mit der Polizeidirektion Nord ausrichtet, zahlen sich ebenso aus wie der fachliche Austausch im Rahmen der Gesprächsreihe Radverkehr und die Ausweitung und Optimierung der Geschwindigkeitsüberwachung.
2025 wurden im Rahmen der Geschwindigkeitsüberwachung erstmals mehr als zwölf Millionen Fahrzeuge gemessen, jedoch nur noch rund 65.000 Verstöße registriert. Diese setzen sich zusammen aus mehr als 1.040 mobilen Kontrollen mit 34.300 Verstößen sowie der stationären Überwachung an insgesamt fünf Standorten – in Borgsdorf, Nassenheide, Velten, Bötzow und seit Mitte September 2025 an der B 96 auf Höhe der Abfahrt Oranienburg-Zentrum-Süd mit 31.300 Verstößen. Der Anteil mobil festgestellter Verstöße ist dabei mit sieben Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Vorjahre (8,7 Prozent) ebenso stark rückläufig wie in der stationären Überwachung (0,18 Prozent gegenüber 0,25 Prozent im Jahr 2020).