Lücken im Impfausweis?
Gesundheitsamt Oberhavel ruft dazu auf, den eigenen Impfstatus zu überprüfen / Landkreis liegt bei Impfquoten über dem bundesweiten Durchschnitt, aber immer noch weit unter der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation
Die Europäische Impfwoche hat begonnen. Unter dem Motto „Impfungen wirken in jeder Generation“ machen Medizinerinnen und Mediziner bis zum 25. April europaweit auf die Bedeutung des Impfens für die Prävention von Krankheiten und den Schutz von Menschenleben aufmerksam. Im Mittelpunkt stehen klare Zielsetzungen der Europäischen Union und der Weltgesundheitsorganisation WHO bis zum Jahr 2030: Unter anderem die Influenza-Impfquote bei älteren Menschen soll bis dahin auf 75 Prozent steigen. Für Masern wird eine Impfquote von mindestens 95 Prozent angestrebt, deutlich steigen soll sie auch bei Diphtherie, Tetanus und Pertussis sowie bei der HPV-Impfung im Jugendalter. Deutschland – und auch der Landkreis Oberhavel – sind von diesen Werten noch deutlich entfernt. Das zeigen die aktuellen Daten des Robert-Koch-Institutes und des Gesundheitsamtes Oberhavel.
„Unsere Zahlen machen deutlich, dass wir weiterhin große Anstrengungen unternehmen müssen, um einen ausreichenden Impfschutz in der Bevölkerung zu erreichen“, sagt Amtsärztin Simone Daiber. „Besonders bei Erwachsenen sehen wir deutliche Impflücken.“ So liegt die Influenza-Impfquote bei den über 60-Jährigen im Landkreis Oberhavel aktuell bei 46 Prozent und damit deutlich unter dem angestrebten Zielwert. Auch bei Pneumokokken- und Herpes-Zoster-Impfungen bestehen weiter erhebliche Nachholbedarfe.
Bei Kindern zeigt sich ein differenziertes Bild: Während die Impfquoten bei den Schuleingangsuntersuchungen vielfach über 90 Prozent liegen, bestehen insbesondere bei einzelnen Impfungen weiterhin Lücken. So erreichen beispielsweise Impfungen gegen Masern, Rotaviren oder Pneumokokken bei Zweijährigen noch nicht die notwendige Quote für einen ausreichenden Gemeinschaftsschutz. Auch im Jugendalter bleibt insbesondere die HPV-Impfung eine zentrale Herausforderung: Im Landkreis Oberhavel sind derzeit 63 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 50 Prozent der Jungen geimpft – die Quote liegt deutlich unter dem angestrebten Ziel von 90 Prozent.
Insgesamt liegen die Impfquoten im Landkreis Oberhavel aber über dem bundesweiten Durchschnitt, und auch innerhalb Brandenburgs sind sie vergleichsweise hoch. Zudem zeigt sich, dass Frauen häufiger geimpft sind als Männer. „Impfungen gehören zu den wirksamsten Maßnahmen der Prävention. Sie schützen nicht nur den Einzelnen, sondern auch die gesamte Bevölkerung. So konnte beispielsweise die Pockenkrankheit durch konsequente Impfprogramme weltweit ausgerottet werden und auch die Kinderlähmung gilt in Europa als eliminiert“, sagt Amtsärztin Simone Daiber.
Das Gesundheitsamt des Landkreises Oberhavel nimmt die Europäische Impfwoche zum Anlass, erneut dazu aufzurufen, den eigenen Impfstatus zu prüfen. Insbesondere Erwachsene sollten ihren Impfschutz regelmäßig durch ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt kontrollieren lassen. Auch der Landkreis bietet eine offene Impfberatung an. Jeden Freitag von 10.00 bis 12.00 Uhr können sich Bürgerinnen und Bürger im Gesundheitsamt, Havelstraße 29 in Oranienburg, ohne vorherige Terminvereinbarung beraten lassen. Impfausweis und Krankenversichertenkarte sind mitzubringen. Auch außerhalb der Impfsprechstunde steht das Gesundheitsamt für Fragen rund um das Thema Impfen zur Verfügung.
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