Vorsicht vor Zecken!
Oberhavel ist kein FSME-Risikogebiet, dennoch können die Tiere Viren und Bakterien übertragen und sollten zügig entfernt werden
Die Temperaturen steigen, und damit verlassen Zecken auf der Suche nach einem Wirt vermehrt ihre Winterquartiere im Boden. Häufig sind die blutsaugenden Parasiten bereits ab sieben Grad Celsius aktiv. Das Gesundheitsamt Oberhavel appelliert deshalb an alle Naturfreunde, wachsam zu sein. Zecken sind Überträger von Borrelien und des Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus, kurz: FSME. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurden im Jahr 2025 bundesweit 693 FSME-Erkrankungen gemeldet – die dritthöchste Erkrankungszahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Aktuell sind 185 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Neu hinzugekommen sind der Landkreis Nordsachsen sowie der Stadtkreis Halle (Saale).
In Deutschland besteht ein Risiko vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und im östlichen Sachsen-Anhalt. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen. In Brandenburg gelten weiterhin fünf von 18 Kreisen als FSME-Risikogebiete. Oberhavel ist weiterhin kein FSME-Risikogebiet.
Das Gesundheitsamt des Landkreises Oberhavel empfiehlt eine Impfung gegen FSME insbesondere für Menschen, die sich in Risikogebieten aufhalten oder dorthin reisen wollen. „Für einen vollständigen FSME-Impfschutz sind drei Impfungen notwendig. Daher sollte die Impfserie frühzeitig begonnen werden – idealerweise vor Beginn der Zeckensaison von April bis Oktober“, erklärt Amtsärztin Simone Daiber. „Bereits 14 Tage nach der zweiten Impfung besteht ein erster Schutz, der für die laufende Saison ausreichend sein kann. Bei kurzfristigen Reisen stehen zudem Schnellimpfprogramme zur Verfügung.“
Das Gesundheitsamt Oberhavel bietet weiterhin eine reisemedizinische Impfberatung an – freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr (außer an Feiertagen) in der Havelstraße 29 in Oranienburg. Eine vorherige Terminvereinbarung ist nicht erforderlich.
Langzeitschäden durch übertragene Viren
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Erkrankung, die zu einer Entzündung der Hirnhaut, des Gehirns und/oder des Rückenmarks führen kann. Besonders Menschen ab 60 Jahren haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe mit neurologischen Komplikationen. FSME ist nicht ursächlich behandelbar. Beschwerden wie Fieber oder Schmerzen können gelindert werden, das Virus selbst muss der Körper bekämpfen. Nach einer überstandenen Erkrankung können Spätfolgen wie Müdigkeit oder Lähmungserscheinungen bestehen bleiben.
Die Borreliose dagegen ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit. Sie kann Haut, Nervensystem, Gelenke und Organe betreffen. Wird Borreliose frühzeitig erkannt, ist sie gut antibiotisch behandelbar. Eine Impfung steht nicht zur Verfügung. Im Landkreis Oberhavel wurden in den vergangenen fünf Jahren (2021–2025) insgesamt 1.000 Borreliose-Fälle registriert. Im Vergleich dazu waren es im Zeitraum 2016–2020 insgesamt 756 Fälle. Besonders auffällig ist der Anstieg im Jahr 2025 mit 265 gemeldeten Erkrankungen. Die Zahlen zeigen insgesamt eine deutliche Zunahme.
Wie entfernt man eine Zecke?
Nach naturnahem Aufenthalt empfiehlt das Gesundheitsamt, den Körper und die Kleidung sorgfältig auf Zecken abzusuchen. Zecken sollten möglichst schnell entfernt werden, da das Risiko einer Borreliose-Übertragung mit längerer Saugdauer steigt. Zum Entfernen eignen sich speziell geformte Werkzeuge wie eine Zeckenzange oder Zeckenkarte. Dabei sollte die Zecke so nah wie möglich an der Haut – im Bereich ihrer Mundwerkzeuge – gefasst und kontrolliert gerade herausgezogen werden, ohne den Körper der Zecke zu quetschen. Anschließend ist die Einstichstelle gründlich zu desinfizieren. Wann und wo die Zecke gebissen hat, sollte dokumentiert und die Stelle über mehrere Wochen beobachtet werden. „Bitte suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn sich an der Einstichstelle eine ringförmige Rötung bildet oder sich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Muskelschmerzen entwickeln“, empfiehlt Amtsärztin Simone Daiber.
Weitergehende Informationen zu Schutzmaßnahmen und FSME-Risikogebieten sind auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts abrufbar: www.rki.de